Hilfe fur HIV-Waisenkinder e.V.


Der über Jahre schwere Krankheitsverlauf der Mutter brachte es mit sich, dass Julian immer wieder in ein Kinderheim und später in Pflegefamilien gegeben wurde. Dies geschah in Entwicklungsphasen, in denen emotionale Bindungen und Beziehungen erfahren und gelernt werden, die im späteren Leben die Basis für eine gefestigte, selbstsichere und selbstbestimmte Persönlichkeit darstellen. Zudem sind die Zeiten zu Hause bei der Mutter geprägt von kurzen, wechselnden Männerbekanntschaften und Beziehungen, die auch keine Modelle für Kontinuität, Zusammengehörigkeit, Partnerschaft und Familie sind.

Kurz vor dem Tod der Mutter kam Julian in seine heutige Familie. Sehr gute schulische Leistungen und seine freundlichen, höflichen Umgangsformen verdecken die nicht abgeschlossene Bewältigung seiner Lebens- und Krankengeschichte.

Die Auseinandersetzung mit der eigenen Erkrankung und der Vergleich mit der Mutter verängstigen und verunsichern ihn nachhaltig. Er hadert immer wieder mit ihrer damaligen Rolle und gibt sich, in der kindlichen Bewertung der Dinge, die Schuld am Tod der Mutter. Das bekannte Phänomen, sich vorzuhalten nicht alles für die kranken Eltern getan zu haben, trifft auch auf Julian zu.

Bei dieser Vorgeschichte bedarf es leider umfassender und relativ kostenintensiver psychotherapeutischer Maßnahmen, um Prozesse anzuregen und zu begleiten, die Julian befähigen später einmal Beziehungen aufzubauen, zu pflegen und zu halten. Speziell vor dem Hintergrund einer unheilbaren, sexuell übertragbaren und sozial stigmatisierten Erkrankung.

 

 

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